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Achtung vor Operationen – es geht auch anders!

Mein ganz normaler Praxis - Alltag mit meinen Patienten…

„Kerstin, ich habe ihnen da was mitgebracht.“ 

 

Oh ja, bestimmt wieder Mon Cherie oder ein anderer Süßkram...

 

Man jeder sieht es und spricht mich drauf an!

 

Ich habe gerade 11 kg abgenommen!

 

Also was soll so ein Sch…   

Das sind die Gedanken, die einem Physiotherapeuten so durch den Kopf gehen…

 

Liebe Patienten, das ist auch ein gut gemeinter Rat für euch.

Eurem Physio macht man damit keine Freude. Die Therapeuten Foren sind voll mit genervten Physiotherapeuten, die nicht mehr wissen wohin mit Süßkram, Wein usw.  

 

Zurück zu meinem speziellen Patienten: „Könnte ein sehr hilfreiches Geschenk sein.

 

Vielleicht wissen sie ja auch schon Bescheid?“

 

Solche Sätze machen neugierig. Also ruck zuck ausgepackt. 

 

 

 

Ich hielt den Spiegel

vom 17. November 2018

in den Händen.

„Leben ohne Schmerz – Rücken, Schulter, Knie –

wie sich Operationen vermeiden lassen."

 

Das ist doch nun wirklich nichts Neues. Es wird zu schnell und zu viel operiert.

 

Das haben wir alle

schon mal gehört.

 

Wie sieht es nun aber wirklich aus?

 

Ich wollte es genauer wissen und begann neben dem Lesen des Artikels im Spiegel rundherum zu recherchieren.

 

Ist ja nicht so, dass man keine Antworten findet.

 

Und ja, es gibt auch Lösungen, doch die rufen nach Eigenverantwortung von Patient und Arzt.

 

Lasst uns gemeinsam schauen.

 

Zunächst fand ich folgendes: 

„Wenn sie wissen wollen, was warum in unseren Arztpraxen und Kliniken passiert, folgen sie der Spur des Geldes“ 

 

Dr. Bernd Höntschik, Orthopäde und Mitglied der Betriebskommission der Städtischen Kliniken Frankfurt Main – Höchst -  aus dem Buch Vorsicht Operationen von Meike Hemschemeier 

 

Warum die Kliniken operieren statt heilen

 

In Deutschland werden Menschen operiert, die keine Operation brauchen. Die Jagd auf operierbare Patienten wird öffentlich totgeschwiegen, in den Kliniken selbst aber hat sie nichts Heimliches: Sie ist methodisch, gut organisiert und Software-unterstützt. Die investigative Reporterin Meike Hemschemeier bringt ein System zum Vorschein, das Menge statt Qualität belohnt.


 

Ich wurde im Focus 14.04.2016 fündig.

 

Zitat Fokus: 

Statistisch wird pro Jahr jeder fünfte Deutsche operiert, Tendenz steigend. Nicht alle Operationen sind medizinisch notwendig. Manche schaden sogar. Und eine ist komplett nutzlos. Ein SOS-Leitfaden für Patienten.

Das deutsche Abrechnungsystem belohnt chirurgische Eingriffe.

Nicht alle Knie-, Hüft- und Rückenoperationen sind medizinisch notwendig. Expertin rät zu drei Verhaltensweisen.“

 

Momentmal!

Was für eine Expertin? Sowas will ich immer genau wissen. 

 

Meike Hemschemeier

hat Journalistik und Biologie studiert und war danach für den WDR tätig.  Seit 2000 drehte sie zahlreiche mehrfach, ausgezeichnete Dokumentationen zu gesellschaftspolitischen Themen als freiberufliche Autorin und Regisseurin.

 

Ihr erstes Buch: Vorsicht vor Operationen!

 

Dieses Buch nimmt ein korrumpiertes System unter die Lupe, welches ganz offensichtlich mit unser aller Gesundheit spielt.

 

Hier kommen Insider zu Wort, vertrauliche Dokumente und Bonus Vereinbarungen mit Chefärzten werden offen gelegt.

 

Kurzum, das Buch lies selbst mir, wo ich doch annahm so einiges über unser Gesundheitssystem zu wissen, den Mund offen stehen. 

 

Das erinnert mich an unseren ehemaligen FDP Gesundheitsminister Philipp Rösler, der da doch sinngemäß auf die Frage nach Änderungen im deutschen Gesundheitssystem antwortete:

 

„Wir haben kein Gesundheitssystem, sondern einen Gesundheitsmarkt, welcher in den nächsten Jahren ein Wachstumspotenzial im zweistelligen Bereich verspricht“.

 

Na, herzlichen Dank! Spätestens jetzt hätten doch alle aufhorchen müssen. Aber nein, immer schön brav weiter mittrotten und die eigene Verantwortung abgeben. 

 

 

Weiter im Fokus:

 

„17,6 Millionen Mal operieren Ärzte in deutschen Krankenhäusern jährlich. Hinzu kommen Tausende Eingriffe, die beispielsweise niedergelassene Chirurgen, Dermatologen oder Frauenärzte vornehmen. Sie werden nirgends zentral erfasst. Über sie existieren keine Daten.

Im internationalen Vergleich der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wird in kaum einem Land so viel geschnitten, gesägt, ersetzt und wieder zugenäht wie in Deutschland."

 

Ein Teil dieser Eingriffe ist überflüssig,

das zeigt die Dokumentarfilmerin Meike Hemschemeier

in ihrem Buch „Vorsicht Operation“. 

 

Drei Jahre lang spürte die Autorin den Fehlern im Gesundheitssystem nach.

 

Wenige Daten existieren über die unnützen Operationen,

aus verschiedenen Gründen.

 

Es gibt zwei Arten überflüssiger Eingriffe:

 

1. Operationen, die keinen medizinischen Vorteil bringen

„Ein Beispiel sind therapeutische Arthroskopien bei Gelenkverschleiß“, erklärt Hemschemeier. Eindrucksvolle Studien belegen, dass Patienten gleich viele Beschwerden haben – unabhängig davon, ob sie wegen ihres Knieschmerzes operiert wurden oder nicht.

 

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) kämpfte jahrelang für das Verbot dieses Eingriffs.

 

„Das ist unheimlich schwierig. Allein 2009 wurden rund 200.000 Patienten in Deutschland auf diese Art am Knie operiert“,

sagt die Expertin.

 

Seit Ende 2015 wird die therapeutische Arthroskopie

nach einer Entscheidung des Gemeinen Bundesausschuss (G-BA) nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt, weil sie wirkungslos ist.

 

2. Operationen, die für bestimmte Patienten unsinnig sind

„Hüft- und Kniegelenkprothesen sind segensreiche medizinische Errungenschaften. Außerdem spülen sie Krankenhäusern extrem viel Geld in die Kassen. In der Folge werden immer wieder Patienten operiert, denen zum Beispiel auch eine Physiotherapie helfen könnte“, bemängelt die Autorin.

 

Das Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (AQUA) hat untersucht, wie viele der Hüft- und Knieoperationen medizinisch gerechtfertigt waren.

 

In 4,8 Prozent der Eingriffe war dies nicht der Fall.

 

Das bedeutet: Binnen eines Jahres setzen Ärzte fast 9000 Patienten eine künstliche Hüfte ein oder tauschten diese aus, obwohl die Operation den AQUA-Kriterien zufolge unnötig war.

 

Das Institut untersuchte neben den Hüft- auch die Kniegelenkoperationen. Hier wurden binnen eines Jahres 5552 Menschen operiert, ohne dass dies medizinisch gerechtfertigt war.

 

 

In Deutschland werden weit mehr überflüssige Operationen durchgeführt, als diese Zahlen verraten.

 

„Die Daten für die AQUA-Studie lieferten die Krankenhäuser selbst. Das ist in etwa so, als dürften sich Schüler selbst benoten“,

sagt die Expertin.

 

Für die meisten anderen Operationen existierten nicht einmal Schätzungen. Vier von fünf Operationsmethoden seien wissenschaftlich nicht gut geprüft.

 

Nicht nur vor Knie- und Hüft-, sondern auch vor Rückenoperationen sollte jeder Patient mindestens eine Zweitmeinung einholen.

 

„Mehrere gute Untersuchungen haben ergeben, dass viele Rückenoperationen langfristig wenig nutzen.

Den operierten Patienten geht es nach ein paar Jahren genauso gut wie denen, die nicht operiert wurden“, erklärt Hemschemeier

 

 

Seltsamer Anstieg in den vergangenen zehn Jahren

Ein Indiz dafür, dass Rückenoperationen zu häufig

durchgeführt werden, ist die schiere Anzahl der Eingriffe.

 

735.000 Wirbelsäulen operieren Chirurgen jährlich,

vor zehn Jahren waren es halb so viele.

 

„Ein Teil der Eingriffe ist nötig, weil immer mehr Menschen immer älter werden. Aber so schnell altert Deutschland nun auch nicht“, sagt die Sachbuchautorin.

 

„Der rasante Anstieg sollte zu denken geben.“

 

Vor zehn Jahren lagen die Operationszahlen

unter anderem wegen der Art der Abrechnung niedriger:

Damals bekamen die Kliniken für die Liegetage auf den Stationen Geld. Je länger ein Patient blieb, umso lukrativer für das Krankenhaus. Entsprechend lag die Behandlungsdauer pro Patient in Deutschland höher als in anderen Ländern.

 

Der Fluch der Fallkostenpauschalen

Diesen Missstand sollte das neue System ändern,

das DRG (Diagnosis Related Groups)-System.

 

Seit seiner Einführung 2003 zahlen die Krankenkassen für die medizinische Leistung Fallpauschalen.

 

Kosten und Erlöse für die einzelnen Behandlungen sind nun transparenter – und die Krankenhäuser haben einen Anreiz, zusätzliche Behandlungen durchzuführen,

die im Einzelfall medizinisch nicht nötig sind.

 

Mehrere Krankenkassen bestätigten, dass seit Einführung der Fallpauschalen insbesondere die Anzahl jener Operationen in die Höhe schnellte, für die Krankenhäuser besonders gut bezahlt werden.

 

„Das System der Fallkostenpauschalen führt dazu,

dass sehr schnell operiert wird – auch wenn für den Patienten andere Behandlungsmethoden in Frage kommen“,

bemängelt Hemschemeier.

 

Ein Bonus für Vieloperierer

Auch auf anderer Ebene existieren Anreize,

möglichst viel zu operieren.

 

„Viele leitende Ärzte erhalten Boni,

wenn sie bestimmte Operationszahlen erreichen.“

 

Für die Ärzte ist das kein Segen.

Diejenigen, mit denen die Dokumentarfilmerin sprach,

zeigten sich zerrissen zwischen ihrem ethischen Anspruch

und den Forderungen, die das System an sie stellt.

 

Ein Gynäkologe etwa erzählte, dass die Fallkostenpauschalen für seinen Beruf fatal seien. Gerade in der Geburtshilfe spielen Zeit, Abwarten und Beobachten eine Rolle. Nichts davon werde bezahlt. Handelt der Arzt im Sinne der Schwangeren, handelt er wider das System, wider seinen Arbeitgeber, gefährdet schlimmstenfalls Arbeitsplätze. 

 

Gesundheitspolitik ist Wirtschaftspolitik

Die medizinischen Fachgesellschaften

geben zu vielen Krankheitsbildern Leitlinien heraus.

 

Darin steht, in welchen Fällen operiert

werden soll und in welchen nicht.

 

Ärzte sollten sich daran halten, müssen das aber nicht.

 

Manchmal ist unklar, ob der chirurgische Eingriff

oder eine andere Behandlung dem Patienten mehr nutzt.

 

Im deutschen Gesundheitssystem“,

ist Hemschemeier sicher,

„greifen viele Ärzte im Zweifel zum Skalpell.“

 

 

SOS-Leitfaden für Patienten:

 

Das rät Autorin Hemschemeier

Holen Sie eine Zweitmeinung ein,

insbesondere vor nicht dringenden Operationen.

 

Besuchen Sie die Seite Gesundheitsinformation.de.

 

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen hat dort Informationen

für unterschiedliche medizinische Probleme aufbereitet.

 

Lesen Sie die Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften.

Im Zweifel rufen Sie dort an und erkundigen Sie sich.

 

Wenn das nicht mal klare Worte sind!

 

Das Buch von Heike Hemschemeier erschien bereits 2015.

 

Der Artikel im Fokus im April 2016.

 

Wir haben jetzt Dezember 2018.

 

Hat sich was geändert?

 

Aus meiner Sicht als Physiotherapeut nicht.

 

Es vergeht keine Woche, wo nicht mindestens 2 Patienten

bei mir landen, die in den letzten 12 Monaten

eine orthopädische Operation über sich

ergehen lassen durften

und im Anschluss an den gleichen Symptomen leiden.

 

Irgendwas kann da nicht stimmen! 

 

Spiegel vom 17. November 2018
Spiegel vom 17. November 2018

 

 

Also weiter recherchieren. 

Hamburger Morgenpost  29.05.18

 

„In Deutschland wird insgesamt zu viel operiert“,

sagt Dr. Stefan Sauerland.

 

Der Kölner Mediziner und Ressortleiter

beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen machte für uns den Check.

 

Seine Top 10 der überflüssigsten Operationen und Eingriffe.

 

1. Wirbelsäulen-Operationen

 

„Die Häufigkeit von Rückenoperationen hat sich binnen

zehn Jahren etwa verdoppelt. Heute werden pro Jahr 800.000 solcher Operationen in Deutschland durchgeführt.

 

Dabei hilft eine Operation auch bei guter Indikationsstellung etwa einem Drittel der Patienten nicht.“ Wer mit Rückenschmerzen zum Orthopäden geht, wird schnell zum Röntgen geschickt.

 

Doch die späteren Maßnahmen, die der Arzt verordnet,

erfordern das oft nicht, sagen Kritiker.

 

Geduld würde oft mehr nutzen – denn nach einigen Wochen

Warten würden viele Beschwerden auch verschwinden.

 

„Die Gabe von Schmerzmitteln ist in

den meisten Fällen nicht erforderlich.

Früher hat man sogar die Gelenke

mit einem Schmerzmittel angespritzt,

davon wird heute abgeraten.“

 

2. Knie-Operationen (Kniegelenkspiegelungen)

 

„Die meisten Knieoperationen werden entweder nach einer Verletzung oder im Fall einer Arthrose durchgeführt.

 

Über Jahre hinweg sind mehrere 100.000 Patienten operiert worden. Bei Arthrose helfen Operationen im Knie aber nur selten.

 

Weil Studien zeigen, dass Knorpelglättungen

keinen Vorteil bieten, wird diese Operation

seit 2016 nicht mehr von den Krankenkassen bezahlt.“

 

Es werden auch zu früh Prothesen für Knie und Hüfte eingesetzt,

so der Mediziner. „Wenn ich mir mit 50 eine künstliche Hüfte einsetzen lasse, muss ich mir überlegen, dass mit 70 oder 75 noch einmal ein Wechsel der Hüfte anstehen könnte.

Und dies ist keine einfache Operation.“

 

3. Operationen an der Schulter

 

„Bei einigen Schulter-Operationen ist nicht bekannt, ob sie einen Vorteil bringen oder ob es sich um eine Placebo-Wirkung handelt.

 

In die Kritik geraten ist zuletzt das Operieren bei einem, Impingement Syndrom’, also einer Einklemmung im Schultergelenk.“

 

Ich zitiere an dieser Stelle

nur die orthopädischen Eingriffe

und das ist schon reichlich.

 

 

Gibt es einen besseren Weg?

 

Oder sind wir als Patienten

diesem System hoffnungslos ausgeliefert?

 

In der Spiegel Ausgabe vom November wird es uns gezeigt.

 

Je mehr Ärzte mit ihren Patienten sprechen, desto mehr können Operationen vermieden werden. 

 

Ja, aber das bezahlt doch keiner…  

 

Der Orthopäde Burkhard Lembeck aus Ostfildern-

Nellingen hat einen Plan.

 

„In der Orthopädie kann man oft operieren,

aber nur ganz selten muss man es“ sagt er.

 

Als junger Arzt am Uniklinikum in Tübingen erging es ihm nicht anders,

wie all den Ärzten in unserem System.

 

Eingriff auf Eingriff nahm er vor.

 

Doch als er sich nach Jahren in einer Gemeinschaftspraxis niederließ machte er sich stark für einen besseren Weg.

 

„Das Honorarsystem diktiert wie man Medizin macht.

 

Das kann nicht sein!“

 

Und dann folgten Taten.

 

Gemeinsam mit der AOK Baden- Würtemberg

entwickelte er einen bundesweit einzigartigen Vertrag.

 

Die teilnehmenden Orthopäden werden für´s Zuhören

und Sprechen mit den Patienten entlohnt und haben

so doppelt so viel Zeit für die Patienten. 

 

An diesem „Facharztprogramm Orthopädie“

nehmen 530 Praxen und 600.000 Patienten teil.

 

Die neusten Zahlen belegen:

Weniger Operationen und weniger Medikamente.

 

 

Übrigens neben den Gesprächen verordnen

die dort gelisteten Praxen vermehrt

Physiotherapie,

wo es natürlich in erste Linie darum geht,

den Patienten zu motivieren

wieder Verantwortung für sich zu übernehmen

und sein Bewegungssystem zu nutzen. 

 

 

 

Was für Erfahrungen hast du

in Bezug auf Operationen gemacht? 

 

Teile das hier gerne!

 

Selbstverständlich bin ich gerne bei Fragen für dich da.

 

 Hier gibt es einen Termin!

 

 

 

Herzlichen Dank fürs Lesen.

 

 

Deine Kerstin 

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